Aktuelles

Frauen & Geschichte trauert um Mascha Riepl-Schmidt (22.12.1942-25.3.2026)

Nachruf auf Mascha Riepl-Schmidt (22.12.1942-25.3.2026)

Mascha Riepl-Schmidt war eine der Frauen, die 1994 „Frauen & Geschichte Baden-Württtemberg e.V.“ gegründet haben, einen Verein von historisch arbeitenden oder interessierten Frauen in Baden-Württemberg, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen und deren Engagement Wissenschaft, Geschichtskultur und Frauenpolitik verbindet. Vorher schon hatte Mascha über die Geschichte der Frauen in Stuttgart geforscht und publiziert, 1990 erschienen ihre 22 biografischen Porträts von Stuttgarterinnen in ihrem Buch „Wider das verkochte und verbügelte Leben. Frauen-Emanzipation in Stuttgart seit 1800“. Es erschien in einer Zeit, in der die Frauengeschichte – in der Wissenschaft wie in einer breiteren Öffentlichkeit – erst allmählich an Fahrt aufnahm und selbstverständlicher wurde. Das Buch war daher über den engeren regionalen Kontext hinaus ein wichtiger Beitrag zur sich entwickelnden Frauengeschichte. Und: es wurde nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch breiter rezipiert, was keineswegs eine Selbstverständlichkeit war, denn es war gut und lebendig geschrieben und man konnte es daher Freundinnen schenken, die es dann auch tatsächlich lasen! In unserem damals neu gegründeten Netzwerk „Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V.“ setzte sich Mascha vielfältig und prägend ein: z.B. bei der Konzipierung und Durchführung unserer zweijährlichen Tagungen, zu denen wir jeweils in einem Herausgeberinnenkollektiv Tagungsbände veröffentlichten. Bei einer dieser Publikationen „Frauen und Nation“, 1996 erschienen, veröffentlichte Mascha einen auf ihre spätere Dissertation verweisenden Beitrag über „Die ‚wertkonservativen‘ Erziehungskonzepte zur Vorbereitung einer ‚mit Vernunft getragenen Nation‘ der Therese Huber (1764-1829)“. Ihre Texte osziliierten oft zwischen Wissenschaft und Literatur und bereicherten damit unseren Anspruch auch überdisziplinär zu arbeiten und zu diskutieren. Mascha kam aus der Literaturwissenschaft und der Romanistik in die Geschichtswissenschaft, die doch oft etwas tröge war. Maschas Wissenschaft, Literatur und später auch Performance verbindendes historische Arbeiten war damals noch ungewöhnlich und der Zeit voraus. Für unseren Band zum 10-jährigen Jubiläum „Die Eroberung der Geschichte“, erschienen 2007, den sie gemeinsam mit Johanna Regnath und Ute Scherb herausgab, verfasste sie den Rückblick auf die Entstehung und die ersten 10 Jahre von „Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V.“. Auch für unsere Publikation „Antisemitismus, Antifeminismus“, erschienen 2019, wirkte sie als Mitherausgeberin. In den seit 2020 auf unserer Homepage veröffentlichten „Denk-Tagen“ finden sich zahlreiche Beiträge von ihr. Dies sind nur einige Beispiele ihrer inhaltlichen oder editorischen Beiträge in unserem historischen Wirken. Häufig bereicherte sie unsere Weihnachtstreffen oder die Abendveranstaltungen unserer Tagungen mit ihren schauspielerischen Auftritten – gerne als Clara Zetkin, mit denen sie historisches Wissen vermittelte. In den letzten Jahren zog sich Mascha aus der Arbeit bei „Frauen & Geschichte“ zurück, sie blieb uns als erstes Ehrenmitglied verbunden. Vielfältig engagierte sie sich frauen- und kulturpolitisch – etwa in der Benennung von Straßen nach Stuttgarter Frauen, wie ihr das bei der Else-Kienle-Staffel am Stöckach gelungen ist. Mascha war eine Erscheinung und eine Persönlichkeit, die beeindruckte, die man nicht übersehen konnte als Grande Dame – durchaus auch etwas divenhaft in der Gleichzeitigkeit von selbstbewusst, verletzlich und manchmal auch schwer versöhnlich. Wir vermissen sie sehr und werden sie ehrend in Erinnerung bewahren.

 

Susanne Asche und Sylvia Paletschek für Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V.

26.04.26

Call for Papers bis 15. Juni 2026: Antifeminismus als Demokratiehindernis

Demokratie ist in Bedrängnis. Damit zusammen hängt der wachsende Antifeminismus. Vor diesem Hintergrund planen „Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V.“, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und weitere Kooperationspartner:innen vom 30. April bis 2. Mai 2027 im „Haus auf der Alb“ in Bad Urach eine Tagung zum Themenschwerpunkt „Antifeminismus als Demokratiehindernis“. Wir erbitten Vorschläge für 20minütige Vorträge (max. 3.000 Zeichen) bis zum 15. Juni 2026 an konferenz2027(at)frauen-und-geschichte.de.

 

Antifeminismus als Demokratiehindernis 

 

Demokratie ist in Bedrängnis. Die dafür notwendigen Strukturen, Prozesse und Verfahren werden allzu oft verachtet, das Demokratische von vielen Zeitgenoss:innen nicht mehr als historische Errungenschaft (an)erkannt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Auf der internationalen Bühne regiert die ‚Macht des Stärkeren‘. Internationale Menschenrechtskonventionen und Völkerrechtsvereinbarungen scheinen Makulatur. Dass diese Entwicklungen mit einem erneuerten Antifeminismus einhergehen, ist kein Zufall. Doch angesichts der aktuellen politischen Krisen und Bedrohungen scheint vielen der wachsende Antifeminismus vernachlässigbar.

Dabei ist klar: Wenn die Forderung nach Gleichstellung der Geschlechter in Frage gestellt wird, ist die Demokratie in ihrem Kern gefährdet. Das Konzept der Demokratie ist zwingend mit der Vorstellung der Gleichheit in politischen und sozialen Rechten aller Staatsbürger:innen verknüpft – auch wenn an der Verwirklichung dieses Anspruchs weiterhin hart gearbeitet werden muss. Antidemokratische Bestrebungen waren und sind immer auch mit Ideologien der Ungleichwertigkeit verbunden – das zeigt die umstrittene Entstehungsgeschichte der Demokratie, nicht zuletzt der zeitgleich entstehende Antifeminismus.

Vor diesem Hintergrund planen „Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V.“, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und weitere Kooperationspartner:innen vom 30. April bis 2. Mai 2027 im „Haus auf der Alb“ in Bad Urach eine Tagung zum Themenschwerpunkt „Antifeminismus als Demokratiehindernis“. Dabei sollen auch die Ambivalenzen und Widersprüche von Demokratie-Konzepten hinsichtlich der Dimension Geschlecht in den Blick genommen werden. Erbeten werden Vortragsvorschläge zu einem breiten Themenspektrum:

  • Demokratie-Konzepte und deren Geschlechterdimensionen in Geschichte und Gegenwart Wir interessieren uns für Demokratie-Konzepte seit dem „Vormärz“, etwa im Umfeld der 1848er Bewegung (und danach), vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zur deutschen Nachkriegsgeschichte: - Welche Ein- und Ausschluss-Ideen und -Praktiken waren und sind mit ihnen verbunden? - Wie hängen die konstitutiven Elemente von Demokratie-Konzepten mit Vorstellungen von der (Un)Gleichheit der Geschlechter und/oder mit Antifeminismus zusammen (z.B. in Bezug auf Geschlechterrollen, Familienkonzepte, Sozialstaat, Erziehungsarbeit, Care-Arbeit)? - Wie haben sich die Protagonistinnen der Frauenbewegungen in Demokratie-Debatten verortet? - Wie wurde in den Frauenbewegungen politische und gesellschaftliche Teilhabe verstanden? - Welche gesellschaftlichen Kräfte und Aktivitäten gefährden gleichermaßen Demokratie und die Gleichstellung der Geschlechter (z.B. Gewalt gegen Frauen)? 
  • Historische Entwicklung von Demokratie-Konzepten und Antifeminismus - Welche Beziehungen lassen sich zwischen dem Kampf um das Frauenstimmrecht, Antifeminismus und Demokratiefeindlichkeit beobachten? - Lassen sich bestimmte Phasen in Bezug auf Demokratie-Entwicklung und die Entfaltung von Antifeminismus erkennen (z.B. Weimarer Republik, Nationalsozialismus etc.)? 
  • Verbindungen zwischen Demokratie- und Antifeminismus-Konzepten Welche Verbindungslinien gibt es in Geschichte und Gegenwart - zwischen Demokratiebewegungen und Antifeminismus, zwischen Familienkonzepten, politischen Partizipationsrechten und Antifeminismus, - zwischen Vorstellungen von Nation, Demokratie, Staatsbürgerschaft, Pädagogik, Bildung und Geschlechterrollen? 
  • Themenschwerpunkte des Antifeminismus - Welche Themenschwerpunkte zeigen sich in unterschiedlichen antifeministischen Haltungen? Wie sind diese mit den jeweiligen Demokratie-Vorstellungen verwoben (z.B. § 218, Beamtinnen-Zwangszölibat)? - Wie funktionieren Rhetorik (oder auch: Beschweigen) und andere Strategien des Antifeminismus? - Was macht antifeministische Ansichten und Standpunkte „gesellschaftsfähig“? - Gibt es einen antidemokratischen (und antifeministischen) Feminismus? Was sind seine Erscheinungsweisen, Ausprägungen und Ziele?
  • Wandel von Positionen in Demokratie- und Antifeminismus-Konzepten - Welche politischen und gesellschaftlichen Erfahrungen führen zum Wandel von Demokratie- und Partizipationsvorstellungen? - Ändern sich in diesen Wandlungsprozessen auch die Vorstellungen über Geschlecht(errollen und -verhältnisse)? - Wann und wie werden Menschen demokratisch, antidemokratisch, antifeministisch aktiv? 
  • Verbindungen von Demokratie-Bestrebungen und Feminismus in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit - Welche Rolle spielt die Verbindung von Demokratie und (Geschlechter-) Gleichheitskonzepten bzw. Feminismus im Bereich von Bildung und Ausbildung? - Wie funktioniert Erziehung bzw. Bildung zur Demokratie in Verbindung mit Gleichheitskonzepten/Feminismus?

Wir erbitten Vorschläge für 20minütige Vorträge (max. 3.000 Zeichen) bis zum 15. Juni 2026 an konferenz2027(at)frauen-und-geschichte.de.

Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten für Referierende können übernommen werden. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist geplant.

31.03.26

Frauen und Arbeit in Mannheim - Zeitzeuginnen im Interview

Ein Projekt von Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V.

2024 wurde die Kontaktstelle Frau und Beruf Mannheim - seit 2016 Kontaktstelle Frau und Beruf Mannheim - Rhein-Neckar-Odenwald - 30 Jahre alt. Die Kontaktstelle wurde gegründet, um Frauen nach der Familienzeit oder aus der Arbeitslosigkeit heraus den Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen. Dieses Jubiläum war Anlass, nach Erwerbsbiografien von Frauen zu fragen und Frauen kennenzulernen, die in unterschiedlichen Berufen und Funktionen die Frauenerwerbsarbeit in Mannheim mitgeprägt haben. Gefragt haben wir zehn Zeitzeuginnen - von der Verkäuferin und Gewerkschaftssekretärin über die Hochschulprofessorin bis zur Politikerin - nach ihren Ausbildungen, ihrem Karriereweg und wie die Tatsache, dass sie eine Frau sind, ihren Berufsweg beeinflusst hat. Wie haben Familie und Schule diese Frauen geprägt? Spielte das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit in ihrem Berufsleben eine Rolle? Haben sie persönlich Diskriminierung und Sexismus erfahren? Welche Rolle spielte es, eine Mannheimer*in zu sein?

Insgesamt 10 Interviews wurden geführt. Das Projekt und die Interviews werden auf der Website des Marchivum dokumentiert:

https://zeitzeugen.marchivum.de/de/zeitzeugen/frauen-und-arbeit-in-mannheim

 

Am 29. Oktober 2025 wurde der Abschluss des Projektes im Marchivum gefeiert.  Die Veranstaltung kann hier nachgesehen werden: Livestream   

10.11.24

Demokratie-Gefährdung durch Antifeminismus - Vom „Deutschen Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“ (1912) zur aktuellen Untergrabung von Gleichstellungskonzepten

Am 10.Februar 2025 fand der Online-Vortrag "Demokratie-Gefährdung durch Antifeminismus - Vom „Deutschen Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“ (1912) zur aktuellen Untergrabung von Gleichstellungskonzepten" vor einem zahlreichen Publikum statt. Aus ganz Deutschland haben ca. 270 Teilnehmer*innen die Ausführungen von Prof. Dr. Sylvia Schraut verfolgt. Der Vortrag wurde von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Verein Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V. und dem Landesfrauenrat Baden-Württemberg veranstaltet. Wir stellen hier die Präsentation der Veranstaltung zur Verfügung.
12.02.25

Alles Geschichte? Denkanstöße zur Bundestagswahl 2025 auf bluesky gestartet

In Wahlkampfzeiten lohnt ein Blick in die Geschichte! Deshalb starten wir auf Bluesky mit Zitaten aus der Vergangenheit, gesammelt von unseren Mitgliedsfrauen – für kritische Ideen und feministische Perspektiven zur #Bundestagswahl2025! #allesgeschichte? #frauengeschichte

 

Erste Zitate auf Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V. ‪@fug-bawue.bsky.social‬

 

  • „Es sei mir gestattet, nicht als Parteiangehörige, sondern als Frau einige Worte zu Ihnen zu sprechen.“ Die Frauenrechtlerin Marianne Weber schrieb am 15.1.1919 Parlamentsgeschichte.  
  • „Noch will ich glauben, dass es möglich ist, die Welt von Grund auf zu ändern, nicht heute, nicht morgen, vielleicht im nächsten Jahrhundert oder später." Stefanie Restle (SPD) 1948.
  • „Ich bin viel zu sachlich und viel zu sehr Juristin, um etwa darauf hin zu arbeiten, als Frau von Kavalieren besonders Konzessionen zu erhalten.“ (Elisabeth Schwarzhaupt (CDU), 1961 erstes weibliches Kabinettsmitglied der BRD als Gesundheitsministerin)

 

Jeden Tag folgt ein neuer Denkanstoß bis zur Bundestagswahl, lassen Sie sich überraschen.

Schauen Sie auf Bluesky vorbei, entdecken Sie feministische Perspektiven, jeweils mit Nachweis und weiterführendem Link und sagen Sie es weiter.

 

19.01.25

Frauen & Geschichte Baden-Württemberg trauert um Ute Scherb

Unser langjähriges Vorstandsmitglied Ute Scherb ist am 27. Juni 2024 verstorben. Sie war für uns wie der Titel ihres Buches „Ich stehe in der Sonne und fühle, wie meine Flügel wachsen“.
25.09.24