Denk-Tage

2020 feiert Freiburg seinen 900sten Geburtstag, Ebersbach an der Fils ist 850 Jahre zuvor zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden. Der Hinrichtungstag des Jesuitenpaters Alfred Delp, Mitglied des Kreisauer Kreises, jährte sich am 2. Februar zum 75sten mal. 50 Jahre ist es her, dass ein Volksentscheid sich für die Beibehaltung des Landes Baden-Württemberg entschied. Und die Frauen? Wer weiß schon, dass Marianne Weber, die Frauenrechtlerin, feministische Schriftstellerin und badische Landtagsabgeordnete, am 2. August 150sten Geburtstag hat?

Frauen & Geschichte will mit der Rubrik Denk-Tage einen virtuellen Raum eröffnen für die Erinnerung an Frauen in Baden und Württemberg, an Ereignisse, Kämpfe und Siege mit Bedeutung für weibliche Lebensbedingungen und Handlungsspielräume.
Wir hoffen auf viele Beiträge, die wir gerne mit Ihrem Namen versehen hier veröffentlichen. Auch Texte von Nicht-Mitgliedern können angenommen werden, sofern diese mit den Zielen und den Ideen des Vereins übereinstimmen. Die Essays sollen maximal 4.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfassen. Sie können mit gemeinfreien Bildern (mind. eines) gestaltet werden. Eine sprechende Überschrift und ein zweizeiliger Teaser sind erwünscht. Bitte keine Fußnoten, aber gerne ein Hinweis auf weiterführende Lektüre. Die Beiträge bitte schicken an: info@frauen-und-geschichte.de.

Denk-Tage im Juni

01. Juni: Anna von Hohenlohe (Weinsberg) (1370–1434)
Eine hochadlige Dame im deutschen Südwesten im Spätmittelalter

Wie viele ihrer Zeit- und ihrer Standesgenossinnen verfügte Anna von Weinsberg († 1. Juni 1434) als edle Frau aus dem hochadligen Hause Hohenlohe über Ressourcen und Beziehungen, um an politischen Aktivitäten ihrer Familie teilzuhaben. Ihr Wirkungsraum erwuchs aus ihren verwandtschaftlichen Verbindungen und dem Status ihres Ehemannes Konrad von Weinsberg als hohem Reichsbeamten.

07. Juni: Das NEIN im badischen Landtag zum Antrag auf Einführung des Frauenstimmrechts

Am 7. Juni 1918 stimmte die Zweite Kammer des Badischen Landtags mit „großer Mehrheit“ gegen den Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei, das Frauenwahlrecht für die Landtagswahlen einzuführen. Wie die Zeitschrift für Frauenstimmrecht in der Ausgabe vom 15. August 1918 resümierte, waren in der vorausgegangenen Debatte vor allem altbekannte Phrasen zu hören: „Sogar die drei Worte: Kinder, Küche, Kirche traten wieder aus der Versenkung auf“.

07. Juni: Maria Kirchner, geb. Hafner (1915–2005)
Kurzwarenhändlerin und erste Gemeinderätin in Erbach/Donau

Als Maria Kirchner, geb. Hafner, 1948 im Haus ihres Mannes ein Kurzwarengeschäft eröffnete, konnte sie nicht voraussehen, dass sie eines Tages als erste Frau in den Gemeinderat von Erbach/Donau gewählt werden würde. Sie blieb Mitglied in dem Gremium bis 1971.

10. Juni: Hanna Nagel (10.06.1907 – 15.05.1975)
Grafikerin und Malerin

Sie gilt als eine Pionierin feministischer Kunst. Ihre Werke werden seit 15 Jahren wieder neu entdeckt und haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Eine biografische Annäherung zur Erinnerung an die Grafikerin und Malerin Hanna Nagel.

17. Juni: Berta Ottenstein (1891-1956)
Dermatologin und Wissenschaftspionierin, von den Nazis ins Abseits katapultiert

Berta Ottenstein war Deutschlands erste Dozentin für Dermatologie und die erste habilitierte Frau in Freiburg. Als Jüdin wurde sie von der Universität vertrieben und in die Emigration gezwungen, wo sie zwar noch anerkannte „Pionierleistungen“ vollbringen konnte, jedoch nie ein gesichertes Auskommen hatte.

23. Juni: Die erste SPD-Frauenkonferenz in Baden - 23. Juni 1912

Obwohl die Sozialdemokratie lange Zeit als einzige politische Partei das Frauenwahlrecht forderte, spielte für sie bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Frage der Geschlechterverhältnisse nur eine nachrangige Rolle. Es bedurfte zahlreicher Diskussionen und Parteitage, bis die SPD einer Frauenorganisation in ihren Reihen zustimmte. Die erste Badische SPD-Frauenkonferenz in Karlsruhe war ein deutliches Zeichen des Erstarkens der sozialdemokratischen Frauenbewegung im Großherzogtum Baden.

29. Juni: Dorothea Catharina (Katharina) Wespin (1810-1887)
Stiftungsgründerin

17 Jahre vor ihrem Tod begründete Catharina Wespin testamentarisch die Familie Wespin Stiftung in Mannheim. Dies war das erste größere Bürgergeschenk für einen sozialen Zweck an die Stadt Mannheim. Stiftungszweck war der Kampf gegen Armut und Not durch den Bau eines Waisenhauses für Jungen.