10. Juli: Anna Haag (1888–1982)
Kämpferin für den Frieden


Anna Haag
Anna Haag war Politikerin, Schriftstellerin, Frauenrechtlerin. Und sie setzte sich als Pazifistin für das Recht auf Wehrdienstverweigerung ein. Sie wurde am 10. Juli 1888 in Althütte im Welzheimer Wald geboren.
Anna Haag wuchs zusammen mit fünf Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Lehrer und wurde 1901 nach Dettingen auf der Alb versetzt. Obwohl Anna intelligent war, durfte sie keine Höhere Schule besuchen, sondern musste im elterlichen Haushalt helfen.

1909 heiratete sie Albert Haag und ging mit ihm zusammen nach Schlesien und Pommern, wo Albert als Lehrer für Mathematik und Physik arbeitete. 1910 wurde die Tochter Isolde geboren, 1915 Sigrid und 1922 ihr Sohn Rudolf. Als die Familie 1912 nach Bukarest zog, begann Anna, sehr erfolgreich für deutsche Zeitungen Berichte über Rumänien zu schreiben. Nach der Internierung von Albert nach Kriegsbeginn sorgte Anna für den Lebensunterhalt der Familie. Sie leitete zunächst eine Flüchtlingsunterkunft und nach der deutschen Besetzung Rumäniens ein Wohnheim für deutsche Arbeiterinnen.

Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Familie zunächst nach Nürtingen, anschließend nach Stuttgart. Anna Haag veröffentlichte in mehreren Tageszeitungen ihr „Tagebuch einer Mutter", später ihren autobiografischen Roman „Die vier Rosenkinder". Beides wurde viel gelesen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden Albert und Anna wegen ihrer pazifistischen Einstellung verfolgt: Ein Publikationsverbot traf Anna sehr hart und sie begann ihre Tagebücher zu schreiben. Sie wusste, dass nach dem Ende des Krieges eine umfassende politische Bildung der deutschen Bevölkerung nötig sein würde, um eine Demokratie aufbauen zu können, und sie wollte sich daran beteiligen.

Bereits während der Weimarer Republik war Anna Haag zusammen mit ihrem Mann der SPD beigetreten, von der sie sich am ehesten eine pazifistische Politik erhoffte. Schon 1919 wurde sie auch Mitglied der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, deren württembergische Sektion sie 1945 wieder ins Leben rief und leitete. In ihrer 1946 herausgegebenen Schrift „Und wir Frauen?" führte sie aus, dass es an den Frauen liege, Deutschland wieder aufzubauen, nicht nur materiell, sondern auch politisch. Ähnlich argumentierte sie in der von ihr ab 1949 herausgegebenen Zeitung „Die Weltbürgerin".

1946 war Anna Haag für die SPD in die Verfassunggebende Landesversammlung und anschließend in den Landtag von Württemberg-Baden gewählt worden. In dieser Funktion war sie zusammen mit sechs anderen Frauen in die USA eingeladen worden um „Demokratie zu lernen". Besonders beeindruckt war Anna Haag vom Engagement der amerikanischen Frauen. Zurück in Stuttgart gründete sie die „Arbeitsgemeinschaft Stuttgarter Frauen", die Spenden für den Wohnungsbau sammelte. Mit Hilfe des amerikanischen McCloy-Funds und der Stadt Stuttgart kam so viel Geld zusammen, dass 1951 ein Mädchen- und Frauenwohnheim für alleinstehende junge Frauen gebaut werden konnte, der Vorläufer des heutigen Anna-Haag-Mehrgenerationenhauses.

Im Landtag setzte sich Anna Haag u.a. für die einstweilige Aussetzung von Strafverfahren wegen Abtreibung und die Anerkennung der Hausfrauenarbeit als gleichwertige Arbeit ein, um den Hausfrauen das Recht auf Lebensmittelkarten zu sichern. 1947 brachte sie einen Gesetzentwurf zur Kriegsdienstverweigerung ein, der von allen Frauen im Landtag mitgetragen wurde. Der Gesetzentwurf wurde 1948 angenommen und später auch ins Grundgesetz übernommen. Der Satz „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden" geht auf ihren Einsatz zurück.

1950 schied Anna Haag aus dem Landtag aus und widmete sich verstärkt ihrer sozialen und schriftstellerischen Arbeit. Sie wollte die politische Entwicklung mit Wiederbewaffnung und Einführung der Wehrpflicht nicht mittragen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1951 machte sie eine Vortragsreise durch die USA, um dem negativen Bild der Deutschen etwas entgegen zu setzen. Sie setzte sich für Völkerverständigung und für ein geeintes und friedliches Europa ein.

Am 20. Januar 1982 starb sie und wurde auf dem Birkacher Friedhof beigesetzt.

Weiterführende Literatur und Quellen:

Gallasch, Christa: Anna Haag (1888 – 1982). Pazifistin und Weltbürgerin, in: Birgit Knorr und Rosemarie Wehling (Hg.): Frauen im deutschen Südwesten, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 1993, S. 217 – 221

Riepl-Schmidt, Maja: Anna Haag, geborene Schaich. Die Friedensfrau, in: Maja Riepl-Schmidt: Wider das verkochte und verbügelte Leben, Tübingen 1998, S. 247 - 254

Timms, Edward: Die geheimen Tagebücher der Anna Haag: eine Feministin im Nationalsozialismus, Bad Vilbel 2019

Haag, Anna, Vortrag 1946: „Frau und Politik“ (https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1062966406#page/n5/mode/1up)
Bildquelle: Horst Rudel

Autorin: Elisabeth Skrzypek