7. Oktober: Euphemia Dorer (1667-1752)
Ursuline, Mädchenschule in Freiburg


Die Ursuline Euphemia Dorer
Die Schweizerin Euphemia Dorer hat tiefe Spuren in der Bildungsgeschichte der Stadt Freiburg im Breisgau hinterlassen. Bis heute wird die charismatische Nonne und zupackende „Macherin“ mit den Anfängen der Mädchenbildung in der Stadt verbunden.

Auch im 17. Jahrhundert lebte man in Freiburg in einem Grenzgebiet und für die wohlhabenden Freiburger Mütter und Väter war es naheliegend, zur Einrichtung einer Mädchenschule Nonnen aus der Schweiz in die Stadt zu holen. In der neuen Schule sollten ihre Töchter nicht nur Lesen, Schreiben und Sticken lernen, sondern insbesondere auch Französisch, denn seit 1677 war Freiburg unter französischer Besatzung und diese Sprachkenntnisse waren für die jungen Bürgerstöchter im heiratsfähigen Alter unabdingbar. Eine dieser Schweizer Ordensfrauen war Euphemia Dorer und sie wurde treibende Kraft und Seele dieser Gründung.

Euphemia Dorer wurde am 7. Oktober 1667 in Baden in der Schweiz geboren und entstammte einer gutsituierten Bürgerfamilie. Wahrscheinlich ging sie in ihrer Heimatstadt bei den Franziskanerinnen zum Primärunterricht. Unterricht im Kloster war damals üblich für Töchter „aus besserem Hause“. 

In allen Bevölkerungsschichten gewann der Schulunterricht in dieser Zeit eine größere Bedeutung. Die Reformation und ihre katholische Gegenbewegung hatten diesen Schub hin zu mehr Bildung ausgelöst. Ziel war es, den Menschen einen persönlichen Zugang zu den Glaubensinhalten zu eröffnen. Und die Schlüssel dafür waren Lesen und Schreiben.

Doch als Angela Merici 1535 die Ursulinen gründete, wollte sie mehr als das: eine innere Erneuerung der katholischen Kirche. Ihr Weg dazu waren eine mystische, persönliche Gotteserfahrung, Offenheit für die Welt und höchste Wertschätzung für die Bildung.

Diese Ideen fanden Anklang in der Familie Dorer. Und so wählte man für Euphemia als höhere Schule ein Mädchenpensionat in Luzern, das von Ursulinen geführt wurde. Es dürfte damals zu den modernsten und besten Ausbildungsstätten gezählt haben, in die eine junge katholische Frau in der Schweiz gehen konnte. Und diese Ordensgemeinschaft sollte zu Euphemia Dorers Lebensaufgabe werden.

Schon ihr Noviziat in Luzern war geprägt von mystischen Visionen. Mit knapp 30 Jahren erlebte sie dann den Höhepunkt ihrer spirituellen Erfahrung: die Stigmatisation. Dieses Phänomen war vom 16. bis zum 18. Jahrhundert vor allem unter Frauen stark verbreitet. Ob die Wundmale Christi wirklich an ihrem Körper zu sehen waren, ist nicht sicher. Die Zeitgenossen akzeptierten auch eine „innere Stigmatisation“. Entscheidend ist, dass sie selbst und auch ihre Umwelt die Stigmata für real hielten.

1699 wurde sie dafür bestimmt, in das 1696 neu gegründete Kloster nach Freiburg zu wechseln. Bis 1706 war sie dort vor allem in der Schule tätig. Sie unterrichtete nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern lud am Sonntagnachmittag auch Mägde und arme Frauen zu sich ein. Es ist überliefert, dass sogar die Bürgersfrauen zu diesen Stunden kamen, um sie sprechen zu hören.

In diese ersten Freiburger Jahre fällt auch ihre Gründung einer Herz-Jesu-Bruderschaft, die sich in den folgenden Jahren zu etwas entwickeln sollte, was man heute „Verein der Freunde und Förderer“ des Klosters nennen würde. Anfang 1706 wählte der Konvent Euphemia Dorer zur Oberin und sie konnte das große Strukturprojekt in Angriff nehmen, das von Anfang an im Raum stand: der Bau eines eigenen Klosters. Beharrlich löste sie gegen viele Widerstände und mit Hilfe großzügiger Spenden ein Problem nach dem anderen.

Als im September 1710 das neue Haus bezogen wurde, gab es endlich genügend Platz für die Internatsschülerinnen und für Unterrichtsräume, Zellen für die Klosterfrauen und neben der Kirche auch noch zwei große Säle.

Nach drei Jahren relativen Friedens kam 1713 der Krieg nach Freiburg zurück. Fünf lange Wochen belagerten die Franzosen zu Ende des Spanischen Erbfolgekrieges die Stadt und am Ende war das gerade fertiggestellte Klostergebäude stark beschädigt.

Im Herbst 1714 kehrte Euphemia Dorer nach Luzern zurück. Doch neun Jahre später wählte sie der Freiburger Konvent erneut zur Superiorin und sie nahm an. Sie wurde inzwischen von vielen Menschen verehrt und erhielt zahlreiche Spenden. Unter ihrer Führung konnten die letzten Kriegsschäden am Kloster beseitigt werden. Als ihre Amtszeit 1734 abgelaufen war, wuchs sie immer mehr in die Rolle der Ratgeberin und Geistlichen Betreuerin hinein. Sogar Franziskus Schächtelin, der Abt von St. Blasien, suchte Rat und geistliche Führung bei ihr. Sie starb schließlich hochbetagt mit 84 Jahren am 4. März 1752 und wurde in der Gruft der Klosterkirche bestattet.


Weiterführende Literatur und Quellen:

Regnath, R. Johanna: Euphemia Dorer. Das Schulwesen der Ursulinen, in: in: Auf Jahr und Tag. Leben in Freiburg in der Neuzeit, hg. von Heinz Krieg, R. Johanna Regnath, Heinrich Schwendemann, Hans-Peter Widmann und Stefanie Zumbrink (Schlaglichter regionaler Geschichte, Bd. 5), Freiburg 2019, S. 39-59.

Bildquellen:

Dominica Amann: Schwester Euphemia Dorer, Ursulinerin. Ein Lebensbild, zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Klosters St. Ursula zu Freiburg i.Br., Freiburg 1904.

Autorin: Johanna Regnath