27. Mai: „Ein noch nie dagewesenes Unternehmen“
Febronie Rommel und die Gründung des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen Vereins am 27. Mai 1890


Febronie Rommel als Lehrerin in Straßburg, 1896 (Bildausschnitt).
Lehrerinnen waren keine „alten, verbitterten Jungfern“, die still vor sich hin lebten und litten, sondern aktive Frauen und engagierte Pädagoginnen, die ihre Interessen vertraten, sehr gut vernetzt waren und sich für eine verbesserte Mädchen- und Frauenbildung engagierten. Eine davon war Febronie Rommel.
Geboren am 16. November 1853 im württem-bergischen Altheim bei Ehingen, war Febronie Rommel schon in jungen Jahren eine unerschrockene Lehrerin, Netzwerkerin und Aktivistin, aus deren Nachlass im Stadtarchiv Freudenstadt deutlich wird, wie gut vernetzt die Lehrerinnen untereinander waren. Sie verließ Württemberg nach ihrer Ausbildung an einem Lehrerinnenseminar und unterrichtete ab 1873 in Elsass-Lothringen an diversen höheren Töchterschulen, zuletzt in Straßburg. 1911 ging sie zusammen mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Martha Moritz (18491921) in den Ruhestand und zog in ein Haus nach Sasbachwalden/Baden. Hier kandidierte sie 1919 bei den Gemeinderatswahlen und wurde gewählt.
Febronie Rommel hatte ihre gute Freundin Marie Loeper-Housselle (18371916) angeregt, eine Lehrerinnenzeitschrift als übergreifende Interessensvertretung zu gründen, die dann von 1884 bis 1933 erschien und in der Febronie Rommel immer wieder Artikel schrieb. Die Zeitschrift "Die Lehrerin in Schule und Haus" wurde 1890 mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen Vereins zu dessen Organ.
Auslöser für die Gründung dieses Dachverbandes war die schon lange gewonnene Erkenntnis, dass die Lehrerinnen sich selbst helfen mussten, erlebten sie doch ständig in den bestehenden männlich dominierten Berufsverbänden die Missachtung ihrer Anliegen.
Deshalb riefen im Frühjahr 1890 Helene Lange (18481930), Auguste Schmidt (18331902) und Marie Loeper-Housselle zu „einer allgemeinen deutschen Lehrerinnen-Versammlung" auf, um den deutschen Lehrerinnen ein eigenes Gremium für ihre Interessen zu ermöglichen. 130 Lehrerinnen folgten dem Aufruf und reisten an Pfingsten 1890 gegen alle Widerstände nach Friedrichsroda (Thüringen). Darunter auch die inzwischen zur Oberlehrerin beförderte Febronie Rommel.
Prinzessin Viktoria (18401901), genannt Kaiserin Friedrich, die Ehefrau des 1888 verstorbenen Kaisers Friedrich III., schickte zur Unterstützung den Lehrerinnen ein Telegramm, das begeistert verlesen und mit einem Dankestelegram beantwortet wurde.
Nach zahlreichen Vorträgen und Diskussionen forderte Helene Lange am 27.05.1890 die Schaffung eines Allgemeinen deutschen Lehrerinnenvereins. In der anschließenden Gründungssitzung wählten die Anwesenden den Vorstand:
Helene Lange (1. Vorsitzende), Marie Loeper-Housselle (2. Vorsitzende), Helene Adelmann aus London (Beisitzende), Febronie Rommel (Schriftführerin) und Luise Langerhannß (Kassiererin).
In ihrem ersten Protokoll hielt Febronie Rommel den Ablauf der Gründung sowie die Wahl des Vorstandes und die Namen der sofort beigetretenen 85 Lehrerinnen fest. Sie blieb bis 1907 Schriftführerin und übernahm danach den Posten der 2. Vorsitzenden.
Das klare Ziel des Vereins bestand in der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen, von gerechter Entlohnung, über wissenschaftliche Bildung bis hin zur Absicherung bei Krankheit und im Alter.
Der Dachverband setzte in all den Jahren bis zu seiner Selbstauflösung am 7. Mai 1933 die Forderungen der Lehrerinnen mit zum Teil großem Erfolg durch. Ein Segen auch für die Mädchenbildung aller Schularten sowie für das Frauenstudium.
Selbstbewusst, idealistisch und gut vernetzt, so steht Febronie Rommel für die zahlreichen Lehrerinnen, die sich im Dachverband sowie in den regionalen und internationalen Lehrerinnenvereinen engagierten. Belege dafür sind im Nachlass von Febronie Rommel zu finden.
Sie starb am 14. Februar 1927 und Helene Lange würdigte sie in der Lehrerinnenzeitung mit einem Nachruf.
Weiterführende Literatur und Quellen:

Liebig, Sabine (2021): Allgemeiner Deutscher Lehrerinnen Verein (ADLV), in:
Digitales Deutsches Frauenarchiv, URL: https://www.digitales-deutschesfrauenarchiv.de/akteurinnen/allgemeiner-deutscher-lehrerinnen-verein-adlv
Liebig, Sabine: „Wir Männer wählen Männer" - Der Kampf ums Frauenwahlrecht aus der Perspektive der (badischen) Lehrerinnen am Beispiel von Febronie Rommel, in: Sylvia Schraut/Sabine Holtz (Hrsg.): 100 Jahre Frauenwahlrecht im deutschen Südwesten. Eine Bilanz. Stuttgart 2020, S. 93 - 110.
Liebig, Sabine: Febronie Rommel. Mosaiksteine eines engagierten Lehrerinnenlebens 1853-1927, in: Brüning, Rainer/Keyler, Regina: Lebensbilder aus Baden-Württemberg Band XXV Herausgegeben im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Stuttgart 2018.
Bildquellen:
Febronie Rommel als Lehrerin in Straßburg, 1896 (Bildausschnitt): Stadtarchiv Freudenstadt, Karton 8, N. 3.39
Unterschrift von Febronie Rommel: Protokollbuch (1890 - 1896) des ADLV. Stadtarchiv Freudenstadt, Karton 6. N. 3.39
Autorin: Sabine Liebig