26. April: Adelheid Steinmann (1866–1925)
Bildungspolitikerin und Frauenrechtlerin


Adelheid Steinmann
Als Vorstandsmitglied des Freiburger Ortsverbands des Vereins „Frauenbildung–Frauenstudium“ zog die Professorengattin 1899 alle Register, um Frauen im Großherzogtum Baden den Weg zum gleichberechtigten Studium zu ebnen. Später war sie als Vorsitzende des Gesamtvereins an allen weiteren Universitätsöffnungen in Deutschland mindestens indirekt beteiligt. Ihr Kampf galt auch dem Frauenstimmrecht. Kaum war dieses erreicht, ließ sie sich in Bonn zur Stadtverordneten wählen und bekleidete dieses Amt bis kurz vor ihrem Tod.
Adelheid Steinmann wurde am 26. April 1866 in eine Heidelberger Professorenfamilie hineingeboren. Mit 20 Jahren heiratete sie den Geologen Gustav Steinmann, der gerade einen Ruf nach Freiburg angenommen hatte, im Jahr darauf gebar sie einen Sohn, auf den ebenfalls eine Hochschulkarriere warten sollte.
In Freiburg begann ihr bildungspolitisches Engagement. Ab 1897 gehörte sie zum Vorstand des Ortsverbands von „Frauenbildung - Frauenstudium", drei Jahre später war sie nicht nur dessen Vorsitzende, sondern auch Reichsvorsitzende des Gesamtvereins. Unmittelbar zuvor hatte sie ihre Beziehungen in höchste Universitätskreise dazu genutzt, den Weg für die Immatrikulation von Frauen an den badischen Hochschulen freizumachen. Sie überzeugte die „Hörerin" Johanna Kappes (s. Denktag 28. Februar), in Freiburg ein offizielles Immatrikulationsgesuch einzureichen, dem höchsten Orts tatsächlich stattgegeben wurde. Nun folgte Universität auf Universität, bis 1908 schließlich auch das konservative Preußen einlenken musste.
Als der Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) im Juni 1904 in Berlin den Internationalen Frauenkongress veranstaltete, leitete Adelheid Steinmann nicht nur die Sektion „Frauenstudium", sondern sorgte auch mit ganzen sieben Artikeln für eine ausführliche Berichterstattung in der Freiburger Zeitung.
Inzwischen verfügte sie über ein eng geknüpftes und weit über die üblichen Universitätskreise hinausreichendes Netzwerk. Als der Verein „Frauenbildung - Frauenstudium" ab Januar 1902 einen Kurs in Handelswissenschaften für Frauen einrichtete, stellte der Freiburger Stadtrat auf ihren Antrag nicht nur die Unterrichtsräume kostenlos zur Verfügung, sondern erlaubte auch den städtischen Handelsschullehrern, die jungen Frauen zu unterrichten.
Aus der Überlegung heraus, dass die Macht der Männer über die Frauen in allen Bereichen nicht selten schlicht auf deren juristischem Wissensvorsprung beruhte, eröffnete der Verein Anfang 1902 in Freiburg eine Rechtsberatungsstelle für Frauen. Erneut stellte Adelheid Steinmann beim Stadtrat einen Antrag auf mietfreie Nutzung städtischer Räume, und wieder war sie erfolgreich: Die Kosten für Licht und Heizung wurden „als städtische Beisteuer zu dem geplanten Unternehmen" in den Freiburger Haushalt eingestellt.
Das alles klingt nach freundlicher Kooperation. Es waren allerdings nur kleine Schritte hin zur Emanzipation, denn eigentlich erhoffte sich Adelheid Steinmann die Gleichstellung von Männern und Frauen auf allen Ebenen. Das Freiburger Tagblatt druckte am 24. Januar 1904 fünf „Forderungen des Vereins Frauenbildung - Frauenstudium" ab, deren letzte lautete: „Gesetzliche Regelung der Besoldung ... nach dem Prinzip: Gleicher Lohn für gleiche Leistung." Aber so etwas ließ sich im Kaiserreich natürlich nicht realisieren - in vielen Berufen besteht das Problem der ungleichen Bezahlung bis heute fort.
Adelheid Steinmann verließ Freiburg, als ihr Mann 1906 eine Professur an der Bonner Universität annahm. Auch von dort aus lenkte sie weiter den Gesamtverein, den Vorsitz musste sie im April 1914 nach 14-jähriger Amtszeit allerdings aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.
Spätestens ab 1908 beteiligte sie sich am Kampf um das Frauenstimmrecht, und noch in der Zeit des Kaiserreichs begann sie, sich auch parteipolitisch zu engagieren. 1912 trat sie dem neu gegründeten Reichsfrauenausschuss der Nationalliberalen Partei bei - Parteimitglied war sie bereits seit 1910. Gleich zu Beginn der Weimarer Republik engagierte sie sich als Gründungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei im Rheinland, wurde Mitglied im Reichsparteiausschuss und kandidierte für die Nationalversammlung. In Bonn ließ sie sich zu einer der ersten weiblichen Stadtverordneten wählen.
Am 20. Januar 1925 starb sie mit nur 58 Jahren. Folgt man den Charakterisierungen in ihren Nachrufen, so war Adelheid Steinmann „klug und energisch", dabei „stark verantwortlich denkend", in ihrem Auftreten elegant, geschickt und durchsetzungsfähig. Ihre „badische Schwertgosch" sei weithin bekannt gewesen - und wohl hier und da auch sehr gefürchtet.
Weiterführende Literatur und Quellen:
Merk, Jan, Adelheid Steinmann, in: Badische Biographien Neue Folge IV, hg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1996, S. 285-287
Scherb, Ute, Adelheid Steinmann: Pionierin der Frauen- und Mädchenbildung, in: Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland, 130/2011, S. 117-128 (http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/schauinsland2011/0117?sid=c7c124c092e3383d0480df597fef534b)

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Autorin: Ute Scherb