02.
April:
Elisabeth Blaustein (1884–1942)
Begründerin der Mannheimer Ortsgruppe des Bundes für Mutterschutz

Am 30. Januar 1884 als älteste Tochter des aus dem Rheinland stammenden Ehepaars Hitze in Mannheim geboren, erhielt Elisabeth ihre Schulbildung auf der Klosterschule vom Heiligen Grab in Baden-Baden. Nach der Ausbildung am Lehrerinnenseminar in Heidelberg unterrichtete Elisabeth Hitze zunächst im Schwarzwald, danach in einer ArbeiterInnenkolonie im Mannheimer Stadtteil Sandhofen und schließlich in der Neckarstädter Hildaschule.
Ihren Wunschberuf musste sie allerdings 1907 nach der Heirat mit Arthur Blaustein, dem späteren Syndikus der Mannheimer Handelskammer, wegen des „Lehrerinnenzölibats" aufgeben. 1908 wurde ihr Sohn Werner, 1913 ihre Tochter Marianne geboren.
Als junge Lehrerin mit dem Problem unehelicher Schwangerschaften konfrontiert, fand Elisabeth Blaustein ihre Lebensaufgabe und wurde zu einer treibenden Kraft bei der Gründung der Mannheimer Ortsgruppe des Bundes für Mutterschutz am 7. April 1907. Der Bund zielte insbesondere darauf ab, Vorurteile über ledige Mütter und ihre unehelichen Kinder zu beseitigen und deren wirtschaftliche und rechtliche Lage zu verbessern.
Wenn der Verein trotz „Befehdung" auch „aus der Frauenwelt selbst", so Blaustein im Rückblick auf 20 Jahre Tätigkeit des Vereins, breite Unterstützung im Mannheimer Bürgertum fand, war das ebenso der guten Vernetzung von Blaustein und ihren Mitstreiterinnen zu verdanken wie auch der praktischen Ausrichtung der Vereinsarbeit. Mit Genugtuung notierte Blaustein im Dezember 1915 über eine Tagung des Bundes in Berlin in ihr Tagebuch: „Der Bund und seine Vertreter sind dort zahmer als ihr Ruf. (...) Unsere Ortsgruppe hier arbeitet in einem weit reicheren Fahrwasser."
Zunächst als Zweite Vorsitzende, ab 1911 und bis 1933 fast durchgängig als Erste Vorsitzende der Mannheimer Ortsgruppe, hatte Elisabeth Blaustein, zumal während des Ersten Weltkriegs und insbesondere als Leiterin der Wöchnerinnen-Abteilung der Mannheimer Zentrale für Kriegsfürsorge, viel zu tun. Im Tagebuch notierte sie: „Die Arbeit verbraucht mich, spannt meine Kräfte an, aber ich brauche Arbeit, Betätigung."
In die Zeit der Weimarer Republik fiel 1927 das 20-jährige Vereinsjubiläum, für das Elisabeth Blaustein die Ausstellung „Mutter und Kind" organisierte. 1932 wurde das 25-jährige Bestehen des Vereins mit der Ausstellung „Der Frauenspiegel - Frauenleben unserer Zeit in Aquarellen, Zeichnungen und grafischen Blättern" gefeiert.
Dass Elisabeth Blaustein unkonventioneller und politisch offener als die Mehrheit des Mannheimer Bürgertums war, zeigte sich etwa in der Freundschaft zu Hedwig Wachenheim, die das Ehepaar Blaustein „meine einzigen Freunde" in Mannheim nannte. Wie die Heidelberger Frauenrechtlerin Camilla Jellinek, zu der sie einen guten Kontakt hatte, scheute auch Blaustein nicht die offene Auseinandersetzung, wenn es um den § 218 ging. In der Diskussion um diesen Paragrafen kam es schließlich aber zum Bruch zwischen der zunehmend gemäßigteren Mannheimer Ortsgruppe und dem Mutterverein.
Angesichts des zunehmenden Erfolgs der NSDAP unterzeichnete auch Elisabeth Blaustein im März 1932 einen Aufruf Mannheimer Frauen zur Wahl Hindenburgs, um Adolf Hitler als Reichspräsident zu verhindern.
Im März 1933 legte Elisabeth Blaustein ihr Amt als Vorsitzende nieder. Es ist zu vermuten, dass dies aufgrund der antijüdischen Maßnahmen des NS-Regimes erfolgte - ihr Mann war ursprünglich jüdischer Konfession gewesen und verlor deshalb seine Anstellung - als auch wegen des sich ankündigenden Drucks zur Gleichschaltung der Vereine.
1934 nach Baden-Baden gezogen, vereinsamte das Ehepaar Blaustein. Elisabeth starb am 2. April 1942 im Mannheimer Luisenheim. Ihr Mann wählte kurz danach den Freitod. Beide sind gemeinsam in Baden-Baden begraben. Während in Baden-Baden Stolpersteine an die Familie Blaustein erinnern, ist im Mannheimer Stadtteil Käfertal eine Straße nach Elisabeth Blaustein benannt.
Ihren Wunschberuf musste sie allerdings 1907 nach der Heirat mit Arthur Blaustein, dem späteren Syndikus der Mannheimer Handelskammer, wegen des „Lehrerinnenzölibats" aufgeben. 1908 wurde ihr Sohn Werner, 1913 ihre Tochter Marianne geboren.
Als junge Lehrerin mit dem Problem unehelicher Schwangerschaften konfrontiert, fand Elisabeth Blaustein ihre Lebensaufgabe und wurde zu einer treibenden Kraft bei der Gründung der Mannheimer Ortsgruppe des Bundes für Mutterschutz am 7. April 1907. Der Bund zielte insbesondere darauf ab, Vorurteile über ledige Mütter und ihre unehelichen Kinder zu beseitigen und deren wirtschaftliche und rechtliche Lage zu verbessern.
Wenn der Verein trotz „Befehdung" auch „aus der Frauenwelt selbst", so Blaustein im Rückblick auf 20 Jahre Tätigkeit des Vereins, breite Unterstützung im Mannheimer Bürgertum fand, war das ebenso der guten Vernetzung von Blaustein und ihren Mitstreiterinnen zu verdanken wie auch der praktischen Ausrichtung der Vereinsarbeit. Mit Genugtuung notierte Blaustein im Dezember 1915 über eine Tagung des Bundes in Berlin in ihr Tagebuch: „Der Bund und seine Vertreter sind dort zahmer als ihr Ruf. (...) Unsere Ortsgruppe hier arbeitet in einem weit reicheren Fahrwasser."
Zunächst als Zweite Vorsitzende, ab 1911 und bis 1933 fast durchgängig als Erste Vorsitzende der Mannheimer Ortsgruppe, hatte Elisabeth Blaustein, zumal während des Ersten Weltkriegs und insbesondere als Leiterin der Wöchnerinnen-Abteilung der Mannheimer Zentrale für Kriegsfürsorge, viel zu tun. Im Tagebuch notierte sie: „Die Arbeit verbraucht mich, spannt meine Kräfte an, aber ich brauche Arbeit, Betätigung."
In die Zeit der Weimarer Republik fiel 1927 das 20-jährige Vereinsjubiläum, für das Elisabeth Blaustein die Ausstellung „Mutter und Kind" organisierte. 1932 wurde das 25-jährige Bestehen des Vereins mit der Ausstellung „Der Frauenspiegel - Frauenleben unserer Zeit in Aquarellen, Zeichnungen und grafischen Blättern" gefeiert.
Dass Elisabeth Blaustein unkonventioneller und politisch offener als die Mehrheit des Mannheimer Bürgertums war, zeigte sich etwa in der Freundschaft zu Hedwig Wachenheim, die das Ehepaar Blaustein „meine einzigen Freunde" in Mannheim nannte. Wie die Heidelberger Frauenrechtlerin Camilla Jellinek, zu der sie einen guten Kontakt hatte, scheute auch Blaustein nicht die offene Auseinandersetzung, wenn es um den § 218 ging. In der Diskussion um diesen Paragrafen kam es schließlich aber zum Bruch zwischen der zunehmend gemäßigteren Mannheimer Ortsgruppe und dem Mutterverein.
Angesichts des zunehmenden Erfolgs der NSDAP unterzeichnete auch Elisabeth Blaustein im März 1932 einen Aufruf Mannheimer Frauen zur Wahl Hindenburgs, um Adolf Hitler als Reichspräsident zu verhindern.
Im März 1933 legte Elisabeth Blaustein ihr Amt als Vorsitzende nieder. Es ist zu vermuten, dass dies aufgrund der antijüdischen Maßnahmen des NS-Regimes erfolgte - ihr Mann war ursprünglich jüdischer Konfession gewesen und verlor deshalb seine Anstellung - als auch wegen des sich ankündigenden Drucks zur Gleichschaltung der Vereine.
1934 nach Baden-Baden gezogen, vereinsamte das Ehepaar Blaustein. Elisabeth starb am 2. April 1942 im Mannheimer Luisenheim. Ihr Mann wählte kurz danach den Freitod. Beide sind gemeinsam in Baden-Baden begraben. Während in Baden-Baden Stolpersteine an die Familie Blaustein erinnern, ist im Mannheimer Stadtteil Käfertal eine Straße nach Elisabeth Blaustein benannt.
Weiterführende Literatur und Quellen:
Sabine Heißler: „Stets hab ich mir ein nahes Ziel gewählt, doch hat ein fernes mich dazu beseelt." Sexualreform, der Bund für Mutterschutz und der Kampf gegen den § 218 von 1907-1933, in: Stadt ohne Frauen? Frauen in der Geschichte Mannheims, hrsg. von der Frauenbeauftragten und den Autorinnen, Mannheim 1993, S. 185-200.
Christiane Pfanz-Sponagel: Vom Frauenverein zum Mandat. Frauen, Frauenbewegung und Politik im Rhein-Neckar-Raum 1890-1933, Ludwigshafen 2004, S. 89-97.
Elisabeth Blaustein: 20 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1927, Mannheim 1927
Hedwig Wachenheim: 25 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1932, Mannheim 1932
Tagebuch von Elisabeth Blaustein 1915-1916 (MARCHIVUM)
Bildquelle: MARCHIVUM
Autorin: Gabriele Pieri
Datum: 02.04.2026
Christiane Pfanz-Sponagel: Vom Frauenverein zum Mandat. Frauen, Frauenbewegung und Politik im Rhein-Neckar-Raum 1890-1933, Ludwigshafen 2004, S. 89-97.
Elisabeth Blaustein: 20 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1927, Mannheim 1927
Hedwig Wachenheim: 25 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1932, Mannheim 1932
Tagebuch von Elisabeth Blaustein 1915-1916 (MARCHIVUM)
Bildquelle: MARCHIVUM
Autorin: Gabriele Pieri
Datum: 02.04.2026
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