07.
April:
Gründung der Ortsgruppe Mannheim des Bundes für Mutterschutz

Noch vor deren offizieller Gründung am 7. April 1907 war am 11. November 1906 im Mannheimer General-Anzeiger zu lesen:
„Im Anschlusse an den ‚Bund für Mutterschutz‘ (Vorsitzende Dr. Helene Stöcker, Berlin) hat sich in Mannheim eine Ortsgruppe dieses Bundes gegründet, welche, in kürzester Frist, bereits eine große Anzahl Mitglieder gewonnen hat. Zweck des Vereins ist, eine Verbesserung der Lage unehelicher Mütter und Kinder herbeizuführen; Müttern und Kindern Hilfe zu bieten." Uneheliche Schwangerschaften und Geburten seien kein vorrangig moralisches Problem; die ledige Mutter sei „häufig das Opfer gesellschaftlicher und sozialer Zustände."
Treibende Kräfte bei der Mannheimer Vereinsgründung waren die junge Lehrerin Elisabeth Hitze - spätere Blaustein -, die Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins Elise Gutmann und die Schriftstellerin Luise Oettinger. Ihnen gelang die Mobilisierung eines breiten Unterstützerkreises aus Frauen des Bürgertums, Honoratioren, Ärzten und Amtsleitern; auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Ludwig Frank gehörte dazu. Das war umso bemerkenswerter, als dem Verein auch vor Ort heftiger Gegenwind entgegenkam und ihm von breiten Kreisen unterstellt wurde, „die Unsittlichkeit zu begünstigen", so Blaustein später.
Ausschlaggebend für die Akzeptanz in Mannheim war aber letztlich oft weniger die Übereinstimmung mit den sexualreformerischen Ansätzen oder fortschrittlichen gesellschaftspolitischen Einstellungen des Bundes, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit praktischer Hilfe für ledige Mütter und uneheliche Kinder.
In diesem Sinn richtete die Mannheimer Ortsgruppe zunächst eine Beratungsstelle für diese Zielgruppe ein. Bis die Stadt Räume zur Verfügung stellte, war sie in Elise Gutmanns Privatwohnung angesiedelt. 1911 kam ein Mütterheim dazu, das ledigen Schwangeren vor und nach der Entbindung Unterkunft und ärztliche Betreuung anbot. Aufgrund der hohen Nachfrage erfolgte 1916 der Umzug in ein größeres Gebäude. 1918 wurde ein Wohnheim für berufstätige ledige Mütter und deren Kinder gegründet, eine Stelle zur Vermittlung von Pflege- und Adoptionsstellen wurde geschaffen. 1917 wurden erstmalig vom Verein ausgebildete Säuglingsschwestern staatlich examiniert.
Im Ersten Weltkrieg reihte sich die Ortsgruppe des Bundes - wie die anderen Vereine des Mannheimer Frauenvereinsverbunds, die sich zum „Nationalen Frauendienst" erklärten - in die Mannheimer Zentrale für Kriegsfürsorge ein, die die freiwilligen Kriegsfürsorgeleistungen der Stadt zusammenfasste.
In der Weimarer Republik weitete der Mannheimer Mutterschutz seine Arbeit weiter aus. Die 1924 eröffnete Ehe- und Sexualberatungsstelle bot ärztliche Sexualaufklärung, Information über Geschlechtskrankheiten und Verhütungsmittel an. Aber sexualreformerische Ansätze traten zunehmend in den Hintergrund.
Wohl wegen Differenzen in der Frage der Reform des § 218, die zu den Zielen des Vereins gehörte, trennten sich die Mannheimerinnen 1927 vom Mutterverein. Aus Rücksichtnahme auf die Vereinsmitglieder verschiedenster Konfessionen und Weltanschauungen forderten sie nur „eine Milderung der Härten" statt der Abschaffung des Paragrafen.
Die Abkehr von radikalen reformerischen Ansätzen drückte auch die Umbenennung und Satzungsänderung des Vereins im Jahr 1929 aus: er hieß nun „Mannheimer Mutterschutz e.V." und nannte als Vereinszweck nun ganz allgemein die „Unterstützung bedürftiger Mütter und ihrer Kinder".
Der Mannheimer Mutterschutz war Teil eines breiten lokalen und regionalen Netzwerks. Er gehörte dem Vereinsverband Mannheimer Frauenvereine an, der 1914 zum örtlichen Nationalen Frauendienst wurde. Auch im 1912 gegründeten Badischen Verband für Frauenbestrebungen war er vertreten. In Vereinsvorstand und -ausschuss fanden sich über die Zeit bedeutende Mannheimer Frauenrechtlerinnen, wie Alice Bensheimer, Marie Bernays oder Julie Bassermann.
Wie sehr der Verein im Laufe eines Vierteljahrhunderts seine eigentliche Programmatik aus den Augen verloren hatte, zeigte sich 1933. Auf seiner letzten Mitgliederversammlung im Juli 1933 gliederte er sich durch Mehrheitsbeschluss in die NS-Frauenschaft ein. 1935 erfolgte die Löschung im Vereinsregister.
„Im Anschlusse an den ‚Bund für Mutterschutz‘ (Vorsitzende Dr. Helene Stöcker, Berlin) hat sich in Mannheim eine Ortsgruppe dieses Bundes gegründet, welche, in kürzester Frist, bereits eine große Anzahl Mitglieder gewonnen hat. Zweck des Vereins ist, eine Verbesserung der Lage unehelicher Mütter und Kinder herbeizuführen; Müttern und Kindern Hilfe zu bieten." Uneheliche Schwangerschaften und Geburten seien kein vorrangig moralisches Problem; die ledige Mutter sei „häufig das Opfer gesellschaftlicher und sozialer Zustände."
Treibende Kräfte bei der Mannheimer Vereinsgründung waren die junge Lehrerin Elisabeth Hitze - spätere Blaustein -, die Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins Elise Gutmann und die Schriftstellerin Luise Oettinger. Ihnen gelang die Mobilisierung eines breiten Unterstützerkreises aus Frauen des Bürgertums, Honoratioren, Ärzten und Amtsleitern; auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Ludwig Frank gehörte dazu. Das war umso bemerkenswerter, als dem Verein auch vor Ort heftiger Gegenwind entgegenkam und ihm von breiten Kreisen unterstellt wurde, „die Unsittlichkeit zu begünstigen", so Blaustein später.
Ausschlaggebend für die Akzeptanz in Mannheim war aber letztlich oft weniger die Übereinstimmung mit den sexualreformerischen Ansätzen oder fortschrittlichen gesellschaftspolitischen Einstellungen des Bundes, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit praktischer Hilfe für ledige Mütter und uneheliche Kinder.
In diesem Sinn richtete die Mannheimer Ortsgruppe zunächst eine Beratungsstelle für diese Zielgruppe ein. Bis die Stadt Räume zur Verfügung stellte, war sie in Elise Gutmanns Privatwohnung angesiedelt. 1911 kam ein Mütterheim dazu, das ledigen Schwangeren vor und nach der Entbindung Unterkunft und ärztliche Betreuung anbot. Aufgrund der hohen Nachfrage erfolgte 1916 der Umzug in ein größeres Gebäude. 1918 wurde ein Wohnheim für berufstätige ledige Mütter und deren Kinder gegründet, eine Stelle zur Vermittlung von Pflege- und Adoptionsstellen wurde geschaffen. 1917 wurden erstmalig vom Verein ausgebildete Säuglingsschwestern staatlich examiniert.
Im Ersten Weltkrieg reihte sich die Ortsgruppe des Bundes - wie die anderen Vereine des Mannheimer Frauenvereinsverbunds, die sich zum „Nationalen Frauendienst" erklärten - in die Mannheimer Zentrale für Kriegsfürsorge ein, die die freiwilligen Kriegsfürsorgeleistungen der Stadt zusammenfasste.
In der Weimarer Republik weitete der Mannheimer Mutterschutz seine Arbeit weiter aus. Die 1924 eröffnete Ehe- und Sexualberatungsstelle bot ärztliche Sexualaufklärung, Information über Geschlechtskrankheiten und Verhütungsmittel an. Aber sexualreformerische Ansätze traten zunehmend in den Hintergrund.
Wohl wegen Differenzen in der Frage der Reform des § 218, die zu den Zielen des Vereins gehörte, trennten sich die Mannheimerinnen 1927 vom Mutterverein. Aus Rücksichtnahme auf die Vereinsmitglieder verschiedenster Konfessionen und Weltanschauungen forderten sie nur „eine Milderung der Härten" statt der Abschaffung des Paragrafen.
Die Abkehr von radikalen reformerischen Ansätzen drückte auch die Umbenennung und Satzungsänderung des Vereins im Jahr 1929 aus: er hieß nun „Mannheimer Mutterschutz e.V." und nannte als Vereinszweck nun ganz allgemein die „Unterstützung bedürftiger Mütter und ihrer Kinder".
Der Mannheimer Mutterschutz war Teil eines breiten lokalen und regionalen Netzwerks. Er gehörte dem Vereinsverband Mannheimer Frauenvereine an, der 1914 zum örtlichen Nationalen Frauendienst wurde. Auch im 1912 gegründeten Badischen Verband für Frauenbestrebungen war er vertreten. In Vereinsvorstand und -ausschuss fanden sich über die Zeit bedeutende Mannheimer Frauenrechtlerinnen, wie Alice Bensheimer, Marie Bernays oder Julie Bassermann.
Wie sehr der Verein im Laufe eines Vierteljahrhunderts seine eigentliche Programmatik aus den Augen verloren hatte, zeigte sich 1933. Auf seiner letzten Mitgliederversammlung im Juli 1933 gliederte er sich durch Mehrheitsbeschluss in die NS-Frauenschaft ein. 1935 erfolgte die Löschung im Vereinsregister.
Weiterführende Literatur und Quellen:
Literatur und Quellen:
Sabine Heißler: „Stets hab ich mir ein nahes Ziel gewählt, doch hat ein fernes mich dazu beseelt." Sexualreform, der Bund für Mutterschutz und der Kampf gegen den § 218 von 1907-1933, in: Stadt ohne Frauen? Frauen in der Geschichte Mannheims, hrsg. von der Frauenbeauftragten und den Autorinnen, Mannheim 1993, S. 185-200.
Christiane Pfanz-Sponagel: Vom Frauenverein zum Mandat. Frauen, Frauenbewegung und Politik im Rhein-Neckar-Raum 1890-1933, Ludwigshafen 2004, S. 89-97
Elisabeth Blaustein: 20 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1927, Mannheim 1927
Hedwig Wachenheim: 25 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1932, Mannheim 1932
Bildquelle: MARCHIVUM
Autorin: Gabriele Pieri
Datum: 2. April 2026
Sabine Heißler: „Stets hab ich mir ein nahes Ziel gewählt, doch hat ein fernes mich dazu beseelt." Sexualreform, der Bund für Mutterschutz und der Kampf gegen den § 218 von 1907-1933, in: Stadt ohne Frauen? Frauen in der Geschichte Mannheims, hrsg. von der Frauenbeauftragten und den Autorinnen, Mannheim 1993, S. 185-200.
Christiane Pfanz-Sponagel: Vom Frauenverein zum Mandat. Frauen, Frauenbewegung und Politik im Rhein-Neckar-Raum 1890-1933, Ludwigshafen 2004, S. 89-97
Elisabeth Blaustein: 20 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1927, Mannheim 1927
Hedwig Wachenheim: 25 Jahre Tätigkeit Mannheimer Mutterschutz, 1907-1932, Mannheim 1932
Bildquelle: MARCHIVUM
Autorin: Gabriele Pieri
Datum: 2. April 2026
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